
„Was haben Sie in Ihrem Leben schon auf die Beine gestellt?"
„Mich. Immer wieder."
40 Jahre am Herd
Vier Jahrzehnte am Herd hinterlassen Spuren, nicht nur an den Händen, sondern vor allem im Blick. Was bleibt, ist keine Sammlung von Titeln oder Stationen. Es ist eine Haltung: Respekt vor dem Produkt und vor den Menschen, die es ermöglichen.
Wo alles begann
1981, Bremer Böttcherstraße, das „Flett". Ich erinnere mich an einen Küchenchef, der einen Fond zurückgehen ließ, weil er „nicht roch wie ein Montag im November". Damals verstand ich den Satz nicht. Heute weiß ich: Er meinte die Wahrhaftigkeit eines Produkts, das Zeit bekommen hat.
Dieses Fundament hat mich durch alles getragen, was danach kam: gehobene Gastronomie, komplexe Cateringstrukturen, Selbstständigkeit, Budgetdruck, tausende Abende am Herd. Irgendwann kam die Erkenntnis, die alles veränderte: Kochen allein reicht nicht. Man muss auch erzählen können, warum man es tut.
Heute verbinde ich klassisches Handwerk mit journalistischer Recherche und der Leidenschaft für Slow Food. Im Raum für kulinarische Angelegenheiten, meinem Studio für kulinarische Inhalte, entstehen Geschichten mit Substanz, Inhalte, die nicht nur informieren, sondern bleiben.
Von hanseatischer Wurzel zum kulinarischen Kompass
Jahrgang 63, Bremer aus Überzeugung, und heute wieder dort, wo alles anfing. Diese Erdung ist keine Nostalgie. Sie ist die Basis, von der aus man mit offenem Blick durch die Welt gehen kann.
Ich darf Reisen: Märkte und Basare sind für mich die Bäuche der Städte. Hier schlägt das Herz des Geschmacks, lange bevor ein Gericht den Teller erreicht. Mein Weg führte mich von Japan und Vietnam über Marokko und Südafrika bis nach Panama, Costa Rica und Brasilien. Ich habe die raue Seele Patagoniens gespürt, an einer Feuerstelle, bei einem Stück Fleisch, das keine weitere Erklärung brauchte.
Überall dieselbe Erkenntnis: Märkte versorgen Menschen nicht nur mit Nahrung, sondern mit Identität. Ob Garküche in Hanoi oder Fischmarkt in Tokio, am Ende zählt nicht der Preis, sondern die Geschichte hinter dem Produkt. Die findet man nicht im Restaurantführer. Man muss sie anfassen, riechen, schmecken.
Aus diesen Reisen hat sich mein kulinarischer Kompass geformt. Er richtet sich nach dem Meer. Ich liebe Fisch, wenn er präzise und ohne Ablenkung zubereitet wird. Gleichzeitig ist die vegetarische und vegane Küche für mich keine Modeerscheinung. Sie ist die notwendige Antwort auf endliche Ressourcen und oft der klarere Spiegel des Handwerks, weil es nichts zu verstecken gibt.
Vier Jahrzehnte Gastronomie sind mehr als Dienstjahre. Es sind Teams, die man geprägt hat. Strukturen, die man aufgebaut hat. Fehler, aus denen man still und gründlich gelernt hat. Was nach all diesen Jahren wirklich zählt, ist der Umgang: respektvoll, klar, direkt. Mit Produkten. Mit Menschen. Mit der eigenen Arbeit.
Das Morgen gestalten
Ich schätze das Gestern, lebe im Heute und arbeite für das Morgen. Neue Werkzeuge, darunter auch künstliche Intelligenz, interessieren mich dort, wo sie Geschichten zugänglicher machen, ohne sie zu glätten. Technik als Verstärker, nicht als Ersatz.
Was sich nicht verändert hat: Nach einem exzellenten Essen schleiche ich noch immer gern in fremde Küchen. Nicht als Kritiker. Als Kollege. Einfach, um Danke zu sagen, für einen Teller, der mehr erzählt hat, als er musste.
Darum geht es. Nicht um Perfektion. Um Haltung.