wer ich bin

Ich bin Matthias Ahrens: Ich bin Koch. kein Journalist. kein Influencer. Und ich stehe noch am Herd.
1981, Bremer Böttcherstraße, das „Flett". Da war mein Küchenchef, der einen Fond zurückgehen ließ, weil er „nicht roch wie ein Montag im November". Damals verstand ich den Satz nicht. Heute weiß ich: Er meinte die Wahrhaftigkeit eines Produkts, das Zeit bekommen hat. Dieses Fundament hat mich durch alles getragen, was danach kam. Gehobene Gastronomie, komplexe Cateringstrukturen, Selbstständigkeit, Budgetdruck, tausende Services.
Irgendwann kam die Erkenntnis, die alles veränderte: Kochen allein reicht nicht. Man muss auch erzählen können, warum man es tut. Heute verbinde ich klassisches Handwerk mit journalistischer Recherche und der Leidenschaft für Slow Food. Im Raum für kulinarische Angelegenheiten, meinem Studio für kulinarische Inhalte, entstehen Geschichten mit Substanz. Inhalte, die nicht nur informieren, sondern bleiben.
Ich bin Jahrgang 63, Bremer aus Überzeugung, und heute wieder dort, wo alles anfing. Diese Erdung ist keine Nostalgie. Sie ist die Basis, von der aus man mit offenem Blick durch die Welt gehen kann. Märkte und Basare sind für mich die Bäuche der Städte. Hier schlägt das Herz des Geschmacks, lange bevor ein Gericht den Teller erreicht. Mein Weg führte mich von Japan und Vietnam über Marokko und Südafrika bis nach Panama, Costa Rica und Brasilien. Ich habe die raue Seele Patagoniens gespürt: an einer Feuerstelle, bei einem Stück Fleisch, das keine weitere Erklärung brauchte.
Überall dieselbe Erkenntnis: Märkte versorgen Menschen nicht nur mit Nahrung, sondern mit Identität. Ob Garküche in Hanoi oder Fischmarkt in Tokio, am Ende zählt nicht der Preis, sondern die Geschichte hinter dem Produkt. Die findet man nicht im Restaurantführer. Man muss sie anfassen, riechen, schmecken. Aus diesen Reisen hat sich mein kulinarischer Kompass geformt. Er richtet sich nach dem Meer. Ich liebe Fisch, wenn er präzise und ohne Ablenkung zubereitet wird. Gleichzeitig ist die vegetarische und vegane Küche für mich keine Modeerscheinung. Sie ist die notwendige Antwort auf endliche Ressourcen und oft der klarere Spiegel des Handwerks, weil es nichts zu verstecken gibt.
Vier Jahrzehnte Gastronomie sind mehr als Dienstjahre. Es sind Teams, die man geprägt hat. Strukturen, die man aufgebaut hat. Fehler, aus denen man still und gründlich gelernt hat. Was nach all diesen Jahren wirklich zählt, ist der Umgang: respektvoll, klar, direkt. Mit Produkten. Mit Menschen. Mit der eigenen Arbeit.
Ich schätze das Gestern, lebe im Heute und arbeite für das Morgen. Auch mit neuen Werkzeugen. Seit zwei Jahren beschäftige ich mich damit, wie Erfahrung und künstliche Intelligenz zusammengehen. Nicht als Gegensätze, sondern wie ein neues Rezept: ausprobieren, verwerfen, verfeinern, bis es irgendwann auf dem Teller liegt und zum Gast kommt. Ein Algorithmus erkennt Muster. Ein Koch erkennt den Moment. Erfahrung, Urteilskraft und Gespür lassen sich nicht delegieren. Ich nutze Technologie dort, wo sie stark ist. Ich verlasse mich auf Erfahrung dort, wo sie unersetzlich bleibt.
Vier Begriffe ziehen sich durch alles, was ich tue. Kein Programm, sondern eine Haltung, die sich im Alltag zeigt. Respekt richtet sich auf das Produkt und auf die Menschen dahinter, auf die Arbeit der Produzenten, die Erfahrung der Händler und das eigene Urteil. Er ist der Gegenentwurf zur Wegwerfmentalität und zur schnellen Bewertungskultur. Haltung bedeutet: Wer sich mit Lebensmitteln beschäftigt, trifft Entscheidungen. Man entscheidet, wem man vertraut, was man kauft und was man ablehnt. Esskultur entsteht nicht durch Regeln oder moralische Programme, sondern durch Urteil. Durch die Fähigkeit, zu sagen: Das ist gut. Das nicht. Tradition ist kein Rückblick, sondern ein Erfahrungsspeicher. Viele gute Dinge in der Küche sind nicht neu, sondern das Ergebnis von Generationen, die ausprobiert, verworfen und verbessert haben. Und Neugier hält das alles lebendig. Neben dem Brot, das seit Jahrzehnten gleich gebacken wird, liegt plötzlich ein Gemüse, das man noch nie gesehen hat. Genau dort beginnt Lernen.
Nach einem exzellenten Essen schleiche ich noch immer gern in fremde Küchen. Nicht als Kritiker. Als Kollege. Einfach, um Danke zu sagen für einen Teller, der mehr erzählt hat, als er musste. Darum geht es. Nicht um Perfektion. Um Haltung.